Die ambu­lanten Hilfen zur Erziehung im Nachbar­schaftswerk

Wir unterstützen im Rahmen der Hilfen zur Erziehung Kinder, Jugendliche und Eltern in schwierigen Lebensphasen, stärken Alltag und Beziehungen und bieten kostenfreie, vertrauensvolle Hilfe über das Jugendamt.

Durch unsere ambulanten Hilfen zur Erziehung unterstützen wir junge Menschen bis 21 Jahre und deren Erziehungsberechtigte, die sich in einer belastenden und krisenhaften Lebenssituation befinden.

Wir helfen Familien und jungen Menschen, wenn das Leben schwierig wird. Unsere Angebote richten sich an Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre. Wir hören zu, begleiten und zeigen neue Wege – bei Problemen im Alltag, in der Schule, mit der Familie oder im sozialen Umfeld. Unsere Fachkräfte kommen oft direkt zu den Familien nach Hause. Die Hilfe kann beim Jugendamt beantragt werden, dann ist sie für die Familien kostenlos. Wir arbeiten vertrauensvoll, verständlich und auf Augenhöhe. Gemeinsam schauen wir: Was brauchst du? Was willst du verändern? Was brauchst du dafür?

Unser vorrangiges Ziel ist, die Ressourcen unserer Klient*innen zu aktivieren und zu erweitern, um sie so auf dem Weg zu einer selbstständigen Lebensführung und Konfliktbewältigung zu begleiten. Unsere Einrichtung mit ihren unterschiedlichen Angeboten ist eingebunden in ein soziales Netzwerk im Lebensumfeld der Hilfesuchenden. Durch die Kooperation mit anderen Institutionen und Einrichtungen ermöglichen wir eine Vielzahl von Angeboten.

Unsere Zielgruppen

  • Erziehungsberechtigte mit Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren mit Unterstützungsbedarf bei der Erziehung.
  • Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr, die sich in einer Lebenskrise befinden oder auf dem Weg zum Erwachsenwerden Unterstützung benötigen.
  • Junge Menschen im Alter von 12 bis 21 Jahren, die wegen ihres Gewaltverhaltens oder aufgrund ihrer Aggressionen Schwierigkeiten haben.
  • Wir arbeiten selbstverständlich mit Menschen jeglicher Herkunft, aller Glaubensrichtungen und jeglicher sexueller Orientierung und Identität.

Unsere päda­gogischen Grundsätze

Unser Ziel ist die „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wir arbeiten systemisch, ressourcen- und lösungsorientiert. Wir sind ein Team aus erfahrenen sozialpädagogischen Fachkräften mit Zusatzausbildungen in systemischer Beratung, Familientherapie, Mediation, Anti-Gewalt-Training, sozialkognitivem Einzeltraining, Trauma-Pädagogik, Erlebnispädagogik usw. Kontinuierliche Weiterbildung, regelmäßige Selbst- und Fallreflexion im Team und in der Supervision sichern die Qualität unserer Arbeit.

Voraussetzungen

Unsere Leistungsangebote sind in der Regel für Klient*innen kostenlos und werden vom Jugendamt finanziert. Dort muss ein entsprechender Antrag gestellt werden. Die individuelle Zielsetzung der jeweiligen Hilfe wird gemeinsam mit allen Beteiligten beim Jugendamt in einem Hilfeplan festgelegt.

Wie wir arbeiten

Im Hilfeprozess sind Mitgestaltung, Transparenz sowie Partizipation ein grundlegendes Selbstverständnis unserer Arbeit. Wir fördern die Zusammenarbeit aller Beteiligten und stellen Einvernehmen im Vorgehen her. Wir unterstützen die jungen Menschen darin, ihr Leben selbstständig und eigenverantwortlich zu gestalten. Dabei setzen wir Vertrauen in die Entwicklungs- und Lernfähigkeit aller Menschen und fördern sowie unterstützen die Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung der Beteiligten. Wir orientieren uns an deren Zielen und setzen an den Potenzialen, Ressourcen und konkreten Bedürfnissen an.

Erziehungsbei­standschaft

Erziehungsbeistandschaft als persönliche Hilfe richtet sich an junge Menschen im Alter von 6 bis 21 Jahren, die Schwierigkeiten in der Familie, der Schule, am Arbeitsplatz, im Sozialverhalten oder im Erwachsenwerden haben und zur Bewältigung ihrer Probleme Unterstützung benötigen.

Erziehungsbeistandschaft bedeutet für uns, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Seite zu stehen und sie ein Stück ihres Lebenswegs zu begleiten und zu unterstützen. Wir hören zu, bestärken und geben Orientierung. Wenn es nötig ist, beziehen wir auch die Eltern und das soziale Umfeld mit ein und suchen gemeinsam nach Lösungen. Unser Ziel dabei ist, dass junge Menschen ihren eigenen Weg finden – selbstbewusst, handlungsfähig und wenn möglich in Verbindung mit ihrer Familie.

Wir arbeiten mit dem jungen Menschen und den Erziehungsberechtigten lösungsorientiert und ressourcenaktivierend. In die Zusammenarbeit wird das familiäre und soziale Umfeld des jungen Menschen einbezogen. Wesentliches Ziel ist die Förderung der eigenen Entwicklung, die Stärkung der Selbsthilfepotentiale, die Stärkung eines positiven Bezugs zur Familie und eine alters- und entwicklungsentsprechende Verselbstständigung.
Die Themen bzw. Probleme, aufgrund derer eine Erziehungsbeistandschaft eingesetzt wird, sind vielfältig:

Familie

  •  Beratung bei Erziehungsfragen
  • Verbesserung der Kommunikation in der Familie
  • Vermittlung bei Konflikten zwischen Eltern und Jugendlichen
  • Unterstützung bei Trennung bzw. Scheidung der Eltern

Schule, Ausbildung und Beruf

  • Unterstützung bei Schwierigkeiten in Schule, Ausbildung bzw. Beruf
  • Verhaltens- und Leistungskonflikte, z. B. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Förderung von Leistungsbereitschaft, Motivation und Arbeitshaltung
  • Konflikte mit MitschülerInnen, Lehrkräften
  • Unterstützung bei Schulwechsel

Freizeit

  • Anregung und Unterstützung bei der altersentsprechenden Freizeitgestaltung
  • Pubertät und Erwachsenwerden
  • bei entwicklungsgefährdenden Themen wie z. B. Sucht, Gewalterfahrungen, Autoaggressionen
  • Förderung von Sozialkompetenzen und Ausbau von Konfliktfähigkeit (Beziehungsaufnahme, Empathiefähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Selbststeuerung, Deeskalation)
  • Erwerb lebenspraktischer Kompetenzen (Umgang mit Geld, Behördenkontakte, Freizeitgestaltung)
  • Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern

Erziehungsbeistandschaft ist eine längerfristig angelegte Hilfe, die bis zu 2 Jahre gewährt werden kann. Die Eigenverantwortung des jungen Menschen und seiner Familie bleibt während der Hilfe bestehen. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden je nach Qualifikation und Erfahrung entsprechend den spezifischen Problemen der Hilfesuchenden eingesetzt.

Systemisches Elterncoaching

Systemisches Elterncoaching ist ein Angebot für Elternpaare, Pflegeeltern und Alleinerziehende mit Kindern vom 6. bis zum 18. Lebensjahr, die gewaltbereit ihren Kindern gegenüber sind und/oder Gewalt durch ihre Kinder erfahren.

Manche Konflikte in der Familie eskalieren – mit lautem Streit, Beleidigungen oder sogar körperlicher Gewalt. Unser systemisches Elterncoaching richtet sich an Eltern, die sich überfordert fühlen oder selbst gewalttätig geworden sind – und auch an Eltern, deren Kinder ihnen gegenüber gewaltsam oder grenzüberschreitend handeln. Gemeinsam arbeiten wir daran, wieder handlungsfähig zu werden – mit Präsenz, Klarheit und gewaltfreien Lösungen. Ziel ist es, Beziehungen zu stärken, Grenzen klar zu setzen und einen Weg aus der Eskalation zu finden.

Systemisches Elterncoaching erweist sich vorwiegend dann als sehr wirksam, wenn verbale und/oder körperliche Gewalt in der Erziehung ausgeübt wird und wenn Erziehungs­berechtigte sich im Umgang mit ihren Kindern als macht- bzw. hilflos erleben. Grundlage für das Elterncoaching ist das Konzept der Neuen Autorität von Haim Omer.

Ziele des Elterncoachings:

  •  Eltern können sich frühzeitig von eskalierenden Konflikten distanzieren. Sie sind in der Lage, eigene Bedürfnisse und Grenzen sowie die ihrer Kinder wahrzunehmen.
  • Eltern erleben sich als konfliktfähig in der Beziehung zu ihrem Kind bzw. ihren Kindern. Sie verfügen über gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien.
  • Eltern verhalten sich empathisch, klar und fürsorglich, grenzsetzend mit ihren Kindern. Sie haben die Kontrolle über das eigene Verhalten.
  • Eltern sind in der Lage, eskalierende bzw. gewaltbereite Verhaltensmuster und ihre Auslöser zu erkennen und zu verstehen.
  • Eltern und ihre Kinder lösen ihre familiären Konflikte ohne Gewalt.
Das Elterncoaching beinhaltet ein Erstgespräch, 15 Treffen à 1,5 Stunden sowie ein Nachtreffen. Es erfolgt in der Regel mit beiden Elternteilen und zwei Coaches. Bei Bedarf und in Abstimmung mit den Beteiligten werden die Kinder und wichtige Bezugspersonen einbezogen. Das Angebot richtet sich an alle Nationalitäten. Sollten Sprachbarrieren vorhanden sein, ermöglichen wir die Begleitung durch Dolmetscher*innen. Bei Bedarf und in Absprache mit den Beteiligten kann das Elterncoaching auch bei der Familie zu Hause stattfinden.
Einen Antrag ans Jugendamt stellen

Sozialkompetenz-Coaching

Das Sozialkompetenz-Coaching richtet sich an junge Menschen zwischen 12 und 21 Jahren. Es soll sie dazu befähigen, Aggression und Gewaltbereitschaft, aber auch Unsicherheiten und Ängste in ihrem Sozialverhalten zu überwinden.

Manche junge Menschen haben Probleme im Umgang mit anderen Menschen. Einige kämpfen mit Wut und Aggression, andere mit Unsicherheit und Ängsten. In unserem Sozialkompetenz-Coaching lernen Jugendliche und junge Erwachsene, besser mit Konflikten, Emotionen und sozialen Situationen umzugehen. Egal ob zurückgezogen und ängstlich oder schnell reizbar und aggressiv: In Einzelgesprächen lernen die Teilnehmenden, sich selbst besser zu verstehen, Grenzen zu setzen oder auch Nein zu sagen – ohne Gewalt, aber auch ohne Rückzug.

Ein Sozialkompetenz-Coaching beinhaltet in der Regel ein Erstgespräch, zehn Einzelsitzungen und ein Abschlussgespräch. Die Sitzungen dauern jeweils 1,5 Stunden, das Abschlussgespräch eine Stunde.

Das Sozialkompetenz-Coaching richtet sich an zwei Zielgruppen:

  • An junge Menschen mit unsicherem und/oder gehemmtem Beziehungsverhalten, die sich in (Konflikt-)Situationen nicht behaupten können, bzw. ängstlich und auffällig passiv sind.

  • Zweitens an junge Menschen mit impulsiv-unkontrolliertem bis gewaltbereitem Verhalten, die aufgrund ihrer Aggression und ihres Gewaltverhaltens auffällig und eventuell auch delinquent sind.

Ziele im Sozialkompetenzcoaching:

Schwerpunkt des Trainingskonzepts ist die Förderung der Basiskomponenten sozialer Kompetenz: Emotionswissen, kognitive und emotionale Verarbeitung sozialer Interaktionen sowie Emotionssteuerung und damit auch die Stärkung der Selbstsicherheit im Umgang mit sozialen Schwierigkeiten und Konflikten. Im Mittelpunkt steht der junge Mensch mit seinen (Lern-)Bedürfnissen und individuellen Themen. Familienmitglieder und andere wichtige Bezugspersonen werden bei Bedarf und in Absprache mit den Beteiligten in das Coaching eingeladen.

 

Anti-Gewalt-Einzeltraining

Im Anti-Gewalt-Einzeltraining haben junge Menschen mit Gewaltverhalten die Möglichkeit, neue und gewaltfreie Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen und einzuüben. Bezugspersonen werden je nach Bedarf in das Training einbezogen.

Wutausbrüche, Kontrollverlust oder körperliche Gewalt – manchmal finden Jugendliche und junge Erwachsene keinen anderen Weg, mit innerem Druck oder Konflikten umzugehen. Unser Einzeltraining hilft jungen Menschen unabhängig vom Geschlecht, ihr Verhalten besser zu verstehen und neue, gewaltfreie Wege zu erlernen. Im geschützten Rahmen sprechen wir über Gefühle, Konflikte, Grenzen und persönliche Erfahrungen. Dabei geht es nicht um Schuld – sondern um Verantwortung und Veränderung. Das Training ist individuell, respektvoll und lösungsorientiert.

Zielgruppe sind junge Menschen zwischen 12 und 21 Jahren

  • die Schwierigkeit haben, ihre Emotionen und Impulse sozialverträglich auszudrücken
  • die in Konfliktsituationen die Kontrolle verlieren
  • mit aggressivem und grenzüberschreitendem Verhalten, insbesondere im schulischen und familiären Bereich, aber auch im Kontext „Liebesbeziehung und Partnerschaft“
  • die bereits aufgrund von gewalttätigem Verhalten straffällig geworden sind und eine richterliche Weisung erhalten haben

Ziele des Trainings

  • eigenes destruktives und/oder aggressives Verhalten verstehen
  • kritische Auseinandersetzung mit Rollenbildern, Verhaltens- und Einstellungsmustern, die Gewalt befürworten
  • gewaltfreie Konfliktlösungswege einüben und anwenden
  • Sozialkompetenz in Konfliktsituationen erlangen
  • Erfahren und Erlernen von Selbstwert
  • Förderung der Selbststeuerung

Das Anti-Gewalt-Einzeltraining wird bedarfsgerecht auf den jungen Menschen und seine/ihre Situation abgestimmt. Das Training umfasst in der Regel 17 Einheiten à 1,5 Stunden pro Woche und ein Nachtreffen. Der Beginn eines Einzeltrainings ist nach Absprache durchgängig möglich.

AGT-Einzel­training bei Gewalt in Liebes­beziehungen

Das AGT-Einzeltraining bei Gewalt in Liebesbeziehungen haben wir für junge Menschen konzipiert, bei denen sich Gewalt in der Liebesbeziehung zeigt. Partnerschaftsgewalt unterscheidet sich sehr von Gewalt gegenüber anderen Personen. Deshalb haben wir ein eigenes Konzept speziell für diese Problematik entworfen.

Das Anti-Gewalt-Einzeltraining bei Gewalt in Liebesbeziehungen ist für junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren, die in Liebesbeziehungen manchmal gewalttätig sind. Dabei muss es nicht immer um Schläge gehen. Anschreien, niedermachen und überwachen sind zum Beispiel auch Formen von Gewalt. Das Training soll den jungen Menschen helfen, ihr Verhalten zu verstehen und es zu ändern. Sie lernen hier, besser mit Konflikten umzugehen und Respekt zu zeigen. Und sie lernen auch, wie man Probleme ohne Gewalt löst, Verantwortung übernimmt und in Liebesbeziehungen fair und ohne Gewalt miteinander umgeht.

Unser zentrales Anliegen ist es, junge Menschen wirksam darin zu unterstützen, ihr gewalttätiges Verhalten nachhaltig zu beenden, ihre Beziehungskompetenz zu fördern und sie darin zu stärken, ihre partnerschaftlichen Beziehungen auf der Basis von gegenseitiger Akzeptanz sowie Gleichberechtigung zu leben.

Zielgruppe sind junge Menschen von 14 bis 21 Jahren, mit Gewaltverhalten

  • in einer anbahnenden oder bestehenden Beziehung,
  • auch gegenüber dem ehemaligen Partner bzw. der ehemaligen Partnerin

Übergeordnete Ziele sind:

  • partnerschaftliche Gewaltkreisläufe zu durchbrechen
  • Gewalttätigen jungen Menschen einen Weg aus der Gewalttätigkeit zu ermöglichen
  • Opferschutz

Weitere Ziele sind:

  • Erkennen von eigenen destruktiven Beziehungs- und Interaktionsmustern sowie der Konfliktdynamiken, die zu Gewalt führen
  • Eigene Stressfaktoren und Alarmzeichen identifizieren und lernen, diese frühzeitig wahrzunehmen
  • Übernahme von Verantwortung für eigenes Gewaltverhalten
  • Auseinandersetzung mit Rollenbildern und Reflektieren über Vorbilder
  • Eigene und fremde Grenzen wahrnehmen und respektieren
  • Entwicklung von Opferempathie
  • Gewaltfreie Konfliktstrategien einüben und anwenden
  • Stärken von sozialen und kommunikativen Kompetenzen
  • Erarbeiten von Deeskalationsstrategien in Konfliktsituationen

Anti-Gewalt-Gruppen­training für männliche* Jugend­liche und junge Männer*

Seit 2010 führen wir Anti-Aggressivitäts-Gruppentrainings (AAT®) für männliche* Jugendliche und junge Männer* im Alter von 14 bis 21 Jahren durch: ein deliktspezifisches, sozial-kognitives Verhaltenstraining in der Gruppe.

In unserem Anti-Gewalt-Gruppentraining für männliche* Jugendliche und junge Männer* lernen die Teilnehmer*, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, ihre Gefühle besser zu kontrollieren und Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen. Das Training dauert etwa 5–6 Monate und findet einmal pro Woche statt. Es besteht aus Gruppen- und Einzelgesprächen, verschiedenen Übungen, und einem gemeinsamen Wochenende. In dem Training lernen die Teilnehmer*, wie ihre Gewalt entsteht. Und sie lernen auch, sich in ihre Opfer hineinzuversetzen und welche Folgen ihre Taten haben. Für sich selbst und für andere.

Die Basis des Gruppentrainings sind aggressions- und kriminalitätstheoretische Erkenntnisse sowie lerntheoretisch-kognitive Grundannahmen. Zudem fließen Elemente aus dem Psychodrama und der systemischen Beratung in das Training mit ein. Unser vorrangiges Ziel in diesem Kursformat ist es, die Teilnehmenden darin zu unterstützen, Opferempathie zu entwickeln sowie Konflikte gewaltfrei auszutragen und zu lösen.

Zielgruppe

Männliche* Jugendliche und Heranwachsende, die aufgrund von Gewaltbereitschaft oder Gewalttätigkeit auffällig und/oder delinquent geworden sind.

Ziele des Trainings

  • Die Teilnehmenden setzen sich mit ihrer Straftat, ihrem Gewaltverhalten, den damit verbundenen Gewaltauslösern und Rechtsfertigungsstrategien auseinander.
  • Sie versetzen sich in die Rolle des Opfers und vergegenwärtigen sich die Folgen ihrer Tat. Sie entwickeln Opferempathie.
  • Sie übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Handeln und sind in der Lage, sich von gewaltträchtigen Konflikt- und Gruppendynamiken abzugrenzen.
  • Sie üben alternative Konfliktlösungsstrategien ein, um kritische Lebenssituationen zu bewältigen.

Trainingsinhalte

  • Einzel-Interviews
  • Analyse der Aggressivitätsauslöser und Gewaltrechtfertigungen
  • Tatkonfrontation und Provokationstests auf dem heißen Stuhl
  • Reflexion der Opferrolle
  • Fragebögen, Plakatarbeit, Rollen- und Interaktionsspiele, Opferbrief oder Aufsatz, Hausaufgaben
  • Eine erlebnispädagogische Aktion, ein Intensivsamstag sowie ein Abschlusstreffen mit Zertifikatübergabe bei erfolgreicher Teilnahme.
  • Ergänzend zur Gruppenarbeit je nach Bedarf bis zu drei Einzelgespräche
  • Abschlussgespräch auf Grundlage des vom Teilnehmer selbst erstellten Entwicklungsberichts.  

Dauer und Umfang des Trainings

Die Trainingsdauer beträgt in der Regel 5–6 Monate (15 Einheiten à 3 Stunden). Das Gruppentraining findet jeweils einmal wöchentlich in Blöcken von drei bis vier Stunden statt. Ein Intensivwochenende, eine erlebnispädagogische Aktion und Einzelgespräche sind weitere Bestandteile des Trainings.

Teilnahmebedingungen

Die Gruppenteilnahme setzt ein Aufnahme- und Auswahlgespräch mit eine*r Trainer*in voraus. Eine Eigenmotivation ist wünschenswert, jedoch nicht Voraussetzung. Ausschlusskriterien sind u. a. Suchtmittelabhängigkeit (Alkohol, Drogen), Suizidneigung oder Grenzfälle zu psychiatrischen Krankheitsbildern.

Trainer*innen

Die Durchführung der Anti-Aggressivitäts-Trainings® erfolgt durch zwei in diesem Bereich erfahrene pädagogische Fachkräfte mit Zusatzqualifikationen wie Anti-Aggressivitäts- und Coolnesstraining® Hinzu kommt ein Tutor*: ein ehemaliger Teilnehmer* eines Anti-Aggressivitäts-Trainings®. Externe Referent*innen, z. B. Gerichtsmediziner*in, Jugendrichter*in und Deeskalationstrainer*in werden zu bestimmten Themen in das Training eingeladen.

Folgende Verfahrenswege zur Aufnahme in das Training sind möglich:

  • über das zuständige Jugendamt nach §§ 27,29 SGB VIII, Hilfe zur Erziehung
  • über jugendgerichtliche Maßnahmen
  • über eine schulische Auflage

Anti-Gewalt-Gruppen­training für weibliche* Jugend­liche und junge Frauen*

Das Anti-Gewalt-Gruppentraining für Mädchen* und junge Frauen* im Alter von 13 bis 18 Jahren ist an das Freiburger Anti-Gewalt-Training von Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff und das Anti-Aggressivitätstraining (AAT®) von Prof. Dr. Weidner angelehnt.

Unser Anti-Gewalt-Gruppentraining hilft Mädchen* und jungen Frauen* von 13 bis 18 Jahren, Gewalt zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Das Training besteht aus Gruppentreffen, Einzelgesprächen, Elternarbeit und einem gemeinsamen Wochenende. Ziel ist, Gefühle besser zu kontrollieren, Selbstvertrauen zu stärken und gewaltfreie Wege im Alltag zu lernen. Es unterstützt die Teilnehmer*innen, sich selbst besser zu verstehen und sicherer im Umgang mit anderen zu werden.

Daneben fließen neuere Forschungen zum Thema Mädchen*gewalt in das Angebot mit ein. Weitere Grundlagen sind Haltung und Vorgehensweisen aus der Systemischen Beratung und Erkenntnisse und Methoden aus der Traumapädagogik. Das Training setzt an den Bedürfnissen, Ressourcen, Stärken sowie am individuellen Gewaltverhalten der Teilnehmer*innen an. Vorrangige Ziele des Trainings liegen in der Verbesserung der Affektkontrolle und dem Erlernen gewaltfreier Konfliktlösungs- und Selbstbehauptungsstrategien.

Zielgruppe sind Mädchen* und junge Frauen*, die aufgrund ihrer Gewaltbereitschaft oder Gewalttätigkeit auffällig und/oder delinquent geworden sind.  

Ziele des Trainings

  • Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und dem eigenen Gewaltverhalten
  • Übernahme von Verantwortung für das eigene Verhalten
  • Erlernen von gewaltfreien Konfliktlösungs- und Selbstbehauptungsstrategien und Transfer in den Alltag  
  • Steigerung der Fähigkeit zur Selbststeuerung
  • Erfahren von Selbstwirksamkeit und Selbstwert

Die vier Bausteine des Trainings

I. Gruppentraining
Das Gruppentraining für sechs bis acht Teilnehmer*innen umfasst ein Vorgespräch, 13 Gruppentreffen, eine erlebnispädagogische Aktion, ein Intensivwochenende und ein Nachtreffen. Die Gruppentreffen finden jeweils wöchentlich statt und dauern etwa für 2,5 Stunden. In die Gruppentreffen sind pro Teilnehmer*in drei Einzelgespräche integriert. Die Trainingsinhalte sind:

  • Erarbeiten gemeinsamer Regeln
  • Eigene Lernziele schriftlich formulieren
  • Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Gefühle und Körperwahrnehmung
  • Auseinandersetzung mit Rollenbildern und Geschlechteridentitäten
  • Gewalt, Geschlecht und Selbstbehauptung
  • Rollenspiele mit Video
  • Life-Line-Arbeit: biografisches Arbeiten u. a. mit Gewalthintergründen
  • Opferempathie
  • Stressmanagement in Konfliktsituationen
  • Deeskalationstraining mit externen Trainer*innen
  • Freizeit- oder erlebnispädagogische Aktivität

 

II. Elternarbeit

Die Elternarbeit ist für die Nachhaltigkeit und den Transfer in den Alltag von elementarer Bedeutung, daher ist sie ein fester Bestandteil des Trainings. Schwerpunkt der Elternarbeit ist die Unterstützung der Eltern bei der Bewältigung von alltäglichen Erziehungsfragen, die Verbesserung der innerfamiliären Kommunikation sowie die Sensibilisierung der Erziehungsberechtigten für die Erziehungsarbeit.

III. Einzelberatung

In der Einzelarbeit werden in erster Linie die neu erlernten gewaltfreien Verhaltensweisen mithilfe von Übungen, Aufgabenstellungen und Gesprächen vertieft und gefestigt. Bei Bedarf können die Teilnehmer*innen auch in anderen Bereichen sozialpädagogische Unterstützung erhalten, wie zum Beispiel bei der Job- und Ausbildungssuche, bei der Wohnungssuche oder auch durch Vermittlung an andere Fachdienste.

IV. Vernetzung

Bei Bedarf binden wir verschiedene Kooperationspartner*innen (Jugendhilfe im Strafverfahren, Polizei, Schulsozialarbeit, Sozialer Dienst, ambulante und stationäre Kinder- und Jugendeinrichtungen) in unsere Arbeit mit gewaltbereiten jungen Menschen ein und können so frühzeitig gezielte Hilfeleistungen gewährleisten.

Teeny sitzt auf der Treppe am Schulhof

Pinnwand: Hilfe zur Erziehung

Auf der Pinnwand des Fachbereiches „Ambulante Hilfen zur Erziehung“ findest du aktuelle Neuigkeiten, spannende Einblicke und wichtige Infos rund um unsere Projekte und das Leben im Quartier. Schau regelmäßig vorbei, um keine Angebote, Veranstaltungen oder Geschichten aus der Nachbarschaft zu verpassen!

[Hier erfährst du schon bald mehr]

Dein Kontakt zu unseren ambu­lanten Hilfen zur Erziehung

Pascal Kollmer

Fachbereichsleitung Hilfen zur Erziehung; Gewaltprävention


Tel. 0761 47999917

pascal.kollmer@
nachbarschaftswerk.de

Verena Feil

Erziehungsbeistandschaften, Gewaltprävention, Arbeitsgelegenheiten

Tel. 0157 527 076 32

Verena.Feil@
nachbarschaftswerk.de

Florian Gross

Erziehungsbeistandschaften
 Gewaltprävention an Schulen

Tel. 0157 34607257

Florian.Gross@
nachbarschaftswerk.de

Marie Stauss

Erziehungsbeistandschaften


Tel. 0157 54131323


Marie.Stauss@
nachbarschaftswerk.de

Benjamin Weinstock, Porträt

Benjamin Weinstock